Euro-Rentenfonds: Nicht so sicher, wie oftmals behauptet

Euro-Rentenfonds, egal ob aktiv oder passiv, gelten als sichere und regelmäßige Ertragsbringer. Ohne Währungs- und Bonitätsrisiko. Die Produkte werden deshalb gerne als solide Basis in einem gut diversifizierten Portfolio empfohlen. „Mit solchen Versprechungen sollten Anleger im aktuellen Umfeld aber sehr vorsichtig sein“, warnt Prof. Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland). „Denn wenn ein Land aus dem Euro ausscheiden sollte, kann das vor allem bei ETFs auf Euro-Staatsanleihen zu massiven Währungsverlusten führen. Darüber hinaus werden steigende Zinsen zu deutlichen Kursverlusten führen.“ Anleger sollten ihr Anleiheportfolio deshalb besser weltweit diversifizieren. Daraus entstehende Währungsrisiken lassen sich effizient auf Fondsebene absichern. Professionelle CERTIFIED FINANCIAL PLANNER® (CFP®) können Anleger dabei unterstützen, ein zu ihrer individuellen, ganzheitlichen Finanzplanung passendes Anleiheportfolio aufzubauen.

Tatsächlich waren Euro-Rentenfonds, passiv wie auch aktiv, in der Vergangenheit so etwas wie der Fels in der Brandung. Sie zeichneten sich durch regelmäßige laufende Erträge bei geringen Kursschwankungen aus. Das beweist auch ein Blick auf die Wertentwicklungsstatistik des Fondsverbandes BVI. Demnach brachten Fonds, die in kurzlaufende Euro-Anleihen investieren, in den vergangenen 20 Jahren fast drei Prozent pro Jahr bei Wertschwankungen von gerade Mal 1,2 Prozent. Noch ertragreicher waren Fonds, die auf langlaufende Euro-Anleihen setzten. Sie  erzielten im gleichen Zeitraum fast 170 Prozent oder 5,1 Prozent pro Jahr – bei Wertschwankungen von 4,5 Prozent. Kein Wunder, dass deutsche Anleger laut dem BVI rund 186 Milliarden Euro in die Produkte investiert haben.

ETFs auf Euro-Anleihen bergen Währungsrisiko
Ob sich diese Entwicklung allerdings fortsetzen lässt, ist fraglich. Zum einen ist die Verzinsung dieser Titel derzeit historisch niedrig. Und steigen die Zinsen, dann drohen Kursverluste. Zum anderen ist die Währungsseite das Problem. „Das griechische Drama hat jüngst gezeigt, dass der Austritt eines Landes aus dem Währungsverbund nicht mehr ausgeschlossen werden kann“, sagt Prof. Tilmes, der auch Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Private Finance & Wealth Management an der EBS Business School in Oestrich-Winkel ist.

Verlässt aber beispielsweise Spanien, wo eine ähnliche politische Konstellation wie in Griechenland vorliegt, den Währungsraum, ist fraglich, ob die ausstehenden spanischen Anleihen weiterhin in Euro bedient werden. Sollte das nicht der Fall sein, wovon auszugehen ist, so erleiden die Besitzer von ETFs auf Euro-Anleihen dauerhafte Währungsverluste. Schließlich ist zu vermuten, dass eine neue spanische Währung gegenüber dem Euro abwertet. „Nach unseren Recherchen aber weist kaum ein Anbieter solcher ETFs im Prospekt auf dieses Risiko hin“, sagt der Experte.

Auch bei Anleihen gilt: Weltweit streuen
Was können Anleger tun? „Zunächst einmal ist es sehr wichtig, dass Anleger über den Tellerrand hinausblicken“, so Tilmes. Tatsächlich bieten auch die Anleihemärkte außerhalb der Eurozone eine große Bandbreite an attraktiven Anlagemöglichkeiten. So gibt es Fremdwährungsanleihen von Unternehmen oder Staaten aus den Industrieländern, die zum Teil höhere Renditen abwerfen als Staatsanleihen im Euroraum. Dazu kommen Unternehmens- und Staatsanleihen aus den Schwellenländern sowie die so genannten Hybrid-Anleihen, zu denen beispielsweise Nachrang-Papiere oder Wandelanleihen zählen.

„Im ersten Schritt ist es in dieser neuen Anleihewelt deshalb wichtig, wie im Aktienbereich, ein global diversifiziertes Portfolio aufzubauen“, erklärt Tilmes. Im zweiten Schritt geht es um das Währungsrisiko. „Die höheren Renditen bei Fremdwährungsanleihen können durch Wechselkursverluste schnell aufgezehrt sein. Aus diesem Grund kann es Sinn machen, solche Anlagen gegen Währungsrisiken abzusichern.“ Idealerweiser erwirbt man Anlagen, die direkt auf Fondsebene diese Währungsrisiken abgesichert haben, da Anleger mit einer professionellen Währungsabsicherung in der Regel überfordert sind und diese auch nicht so kostengünstig wie Fondsgesellschaften realisieren können.

Qualifizierte Finanzfachleute, wie die vom FPSB Deutschland zertifizierten CERTIFIED FINANCIAL PLANNER® (CFP®), die eine den höchsten Anforderungen entsprechende Ausbildung haben und zur laufenden Fortbildung verpflichtet sind, können Anlegern dabei helfen, ein zu ihrem Rendite-Risiko-Profil passendes Anleiheportfolio zu erarbeiten und umzusetzen. Und das ist heute, angesichts der politischen Unwägbarkeiten und den massiven Eingriffen der Notenbanken am Rentenmarkt, wichtiger denn je.

Quelle: „Euro-Rentenfonds: Nicht so sicher, wie oftmals behauptet” Presse-Information des Financial Planning Standard Boards Deutschland e.V.